Mitarbeiterinterview Herr Burmeister - Langjähriger Mitarbeiter in Rente

Auch als Rentner arbeite ich gern stundenweise weiter bei RC...

Wie und wann sind Sie zu RC gekommen?

1992 war ich zunächst kurzzeitig Arbeitslos, weil mein ehemaliger Betrieb Insolvenz angemeldet hatte. Dann habe ich in der Zeitung die Annonce von RC gesehen in welcher stand, dass man einen Hausmeister und anderes Personal sucht. Nach dem ich mich beworben hatte bekam ich auch ziemlich schnell eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. 

Es waren zwar noch andere Mitbewerber da aber als männlichen Bewerber gab es nur mich und noch einen anderen Herren, der dann aber doch einen Rückzieher machte. Somit hatte ich das Glück bei RC anfangen zu können.

Was haben Sie vorher beruflich gemacht?

Vor meiner Arbeit bei RC habe ich 25 Jahre als Dreher und Schlosser gearbeitet bis der Betrieb Insolvenz anmeldete worüber ich aber insgeheim auch ganz froh war, weil ich nach so langer Beschäftigung kein Interesse mehr an dieser Arbeit hatte.

Nachdem mein Vater einen Gehirnschlag erlitt und ich ihn zu Hause betreute/pflegte interessierte mich doch mehr eine Tätigkeit mit Menschenkontakt. Durch meine Situation zu Hause hatte ich dann auch einen leichteren Einstieg, weil ich unser Klientel bereits durch die Behinderung meines Vaters einzuschätzen wusste  und mir auch durchaus bewusst war, was mich bei RC erwartet.

Wie haben sich RC und der Verbund seitdem verändert?

Es ist ein unwahrscheinlicher Zuwachs an Mitarbeitern geschehen. Anfang 1992, als ich begann hier zu arbeiten,  war die Mitarbeiteranzahl noch überschaubar. Von Anfang an hat mir die Arbeit im Team sehr viel Spaß gemacht, weil es eine ganz neue Erfahrung für mich war und durch die Eröffnung des Hauses, war es auch für alle anderen Mitarbeiter Neuland. Es gab nicht einen der diese Arbeit vorher so gemacht hat und sie haben alle in etwa zur gleichen Zeit angefangen zu arbeiten.

Es war ein richtiges Hand in Hand arbeiten. Jeder hat jedem geholfen bzw. ergänzt, auch wenn man sich nicht kannte. Die Mitarbeiter sind auch in anderen Einrichtungen zur Besichtigung gegangen um zu schauen, wie die Klienten dort untergebracht sind (heutzutage finde ich es teilweise Katastrophal wie es damals war).

Die Mitarbeiter waren auch nach der ersten Besichtigung mehrmals in den Einrichtungen und mit der Zeit hat sich sehr viel verändert und verbessert und ich selbst habe bei vielem mitgewirkt. So ist man mit seinen Aufgaben gewachsen und kann heute auf viele Erfolge zurückblicken.

Welche verschiedenen Stationen haben Sie persönlich durchlaufen

Eine direkte Schule bzw. eine Ausbildung in diesem Bereich habe ich nicht absolviert, genaugenommen hatte ich es mir einmal vorgenommen, aber mein Antrag wurde abgelehnt, so dass ich dann aufgegeben habe. Ich habe dann sämtliche Weiterbildungen die machbar waren, intern und extern, bei RC mitgemacht und diese haben mir sehr viel gebracht.

Die Erfahrungen in den ganzen Jahren sind für mich aber die wichtigsten. Durch sie kann ich manchmal einem jungen und neuen Mitarbeiter Unterstützung anbieten, ihn anleiten und sehr viel Kniffe und Tricks zeigen, die man in keiner Schule lernt.

Sonst organisier ich auch Feste und kümmere mich um die Dinge, an die andere nicht so gerne rangehen. Da es um die Klienten geht und diese schöne Ergebnisse erzielen können.

Den Dank für meine Tätigkeiten erhalte ich dann jeden Tag von den Klienten zurück und das ist meine größte Freude.

Was hat Sie all die Jahre bei RC gehalten?

Ich glaube es sind viele Dinge im Zusammenspiel die mich halten. Das sich alle kennen, alles Hand in Hand abläuft, ich nicht immer von neuem anfangen wollte, ich nicht wusste was mich bei anderen Arbeitgebern erwartet hätte, das die Kollegen und die Leitung gut miteinander klar kommen und mit den Klienten sowieso, all das finde ich sehr schön bei RC.

Es wäre auch schlimm für mich, jetzt da ich Rentner bin, zu Hause zu sitzen.  Dafür gibt es noch viel zu viel zu tun aus meiner Sicht. Nebenbei habe ich auch mit dem Backofen angefangen, was unbedingt weiterbetrieben werden muss. Das Backofenprojekt war mein Projekt, den wollte ich unbedingt haben und jetzt muss ich natürlich dafür sorgen, dass es auch funktioniert. Deshalb muss ich auch neue Leute da ran holen, die mitmachen und Interesse zeigen.

Was schätzen Sie an Ihren Kollegen?

Die Zuverlässigkeit, das Verständnis, die Menschlichkeit - das schätzte ich am meisten an meinen Kollegen. Wenn der eine mal nicht kann, springt ein andere für ihn ein. Der Zusammenhalt zwischen den Kollegen ist sehr stark und auch, dass man untereinander die Schichten mal auf dem kurzen Dienstweg tauschen kann, gefällt mir gut.

Warum arbeiten Sie auch im Ruhestand noch gern stundenweise bei RC?

Die zwischenmenschlichen Beziehungen zu den Klienten sind ausschlaggebend für mich. Die Bewohner würden mir einfach viel zu sehr fehlen. Ganz ohne Arbeit kann ich einfach nicht leben auch wenn es mir gesundheitlich manchmal nicht so gut geht.

Aber mit der Teilzeitarbeit ist es besser geworden, da es schon ein Unterschied macht, ob ich Voll- oder Teilzeit arbeitet. Früher ging es mit Schmerzen nach Hause, weil es einfach zu Belastend für den Rücken war.

Jetzt aber, wo es besser ist, macht es wieder ganz anders Spaß. Es gibt immer was zu tun und RC ist wie ein Magnet für mich.

Welche Aufgaben haben Sie heute?

Heute führe ich normalen Dienst in der Gruppe aus und nebenbei anfallende Aufgaben wie die Organisation von dem Ofen, Brot besorgen und so weiter. Die Einrichtung backt ihr Brot jetzt selber. Sie bekommen von einer guten Bäckerei aus der Uckermark günstig das Brot zum aufbacken.

Ich habe dafür einen Hotelinhaber angesprochen, ob er nicht auch für RC gleich was mitbestellen könne, da er selbst ja für seine Hotelgäste das Brot bestellt. Dieser Bitte hat er mit einer Selbstverständlichkeit zugesagt und seitdem bekommen wir regelmäßig Brot geliefert. Seitdem versuchen die Mitarbeiter alle 3-4 Wochen Brote zu holen. Zum Sommerfest wird dieses Brot auch angeboten, welches insbesondere bei den Berlinern weggeht wie warme Semmeln.

Auch die Klienten essen es gerne und die Kollegen kaufen es für den privaten Verbrauch. Unsere Köchin nutzt die Stärke des Ofens übrigens auch aus, damit er ausgelastet ist. Sie macht verschiedenes wie Pizza oder Braten darin. Die Begeisterung für den Ofen ist für mich immer wieder eine Bestätigung, dass sich das Projekt lohnt.

Was muss jemand für die Arbeit in diesem Bereich mitbringen?

Man muss meines Erachtens auf jeden Fall sehr viel Liebe gegenüber Menschen mitbringen.

Nur zu sehen, dass man seinen Job macht und das Ende des Arbeitstages abwarten, würde nicht funktionieren. Man muss Interesse an diesem Job haben. Man muss mit Liebe dabei sein. Die Bewohner geben das einem auch zurück und diejenigen, die nicht sprechen können, zeigen es einem auf eine andere Art und Weise.

Für mich ist es das Schönste, dass ich nach so langen Jahren die Bewohner verstehen kann und weiß, was ich von ihnen erwarten kann, bzw. weiß was sie von mir erwarten.  

Welche Tipps können Sie jungen Kollegen geben?

Die jungen Kollegen sollen auf jeden Fall für eine längere Zeit hineinschnuppern. Auch mit älteren Kollegen sollten sie mal zusammenarbeiten. Ich habe es öfter mitbekommen, dass die neuen Mitarbeiter von jungen Kollegen eingearbeitet werden, die aber noch lange nicht die praktische Erfahrung aufweisen können, wie es die älteren/langjährig beschäftigten Kollegen tun.

Es kommt dadurch öfter zu Situationen, die ich auch selbst erlebt habe, dass die jungen Kollegen manches noch nicht wissen können, dass es ihnen von niemandem gezeigt wurde und deswegen wissen sie auch vieles  noch nicht. Die vertreten die Meinung, alles in der Schule gelernt zu haben. Praxis und Theorie sind aber eben zwei verschiedene Paar Schuhe.

Meiner Meinung nach sollte man also auch öfter einen Rat von einem älteren Mitarbeiter einholen, der auch länger dabei ist. Schlussendlich macht es doch die Mischung zwischen älteren und jüngeren aus!