Mitarbeiterinterview Frau Splawski – ohne Ausbildung

Für mich ist es etwas ganz besonderes jeden einzelnen Klienten mit seiner ganz eigenen Persönlichkeit zu erleben und damit umzugehen...

Wie und wann sind Sie zu RC gekommen?

Ich bin im Dezember 2007 zu RC gekommen.

Mein Mann, der zu diesem Zeitpunkt bereits bei RC arbeitete, hat mir empfohlen, mich hier zu bewerben. Vorher habe ich für die Diakonie gearbeitet, jedoch ist mein dortiger Vertrag dann ausgelaufen.

Danach hatte ich von der Diakonie ein neues Angebot erhalten, allerdings in einem gänzlich anderen Bereich. Auch RC hatte mir nach einem erfolgreichen Vorstellungsgespräch ein Angebot unterbreitet und somit konnte ich zwischen diesen beiden wählen.

Da ich aber bereits bei der Diakonie war, und auch wusste, dass man viel von Haus zu Haus fahren muss und keinen festen Arbeitsplatz hat, wie es bei RC der Fall ist, wollte ich etwas neues Ausprobieren und habe mich somit für RC entschieden.

Was haben Sie vorher beruflich gemacht?

Bei der Diakonie war ich in der häuslichen Krankenpflege beschäftigt. Meine Aufgabe dort war es, die älteren und pflegebedürftigen Menschen in ihren Wohnungen zu betreuen.

Durch die Fahrerei von Haus zu Haus ist dies aber auch ein sehr anstrengender Job. Die Sorge nicht zu wissen, was für ein Haushalt und was für ein Mensch einen erwartet, war ein ständiger Begleiter.

Damals war ich auch ohne eine Ausbildung in diesem Bereich und hatte keinen erlernten Beruf. Früher wollte ich mal Krankenschwester werden, doch kurz vor dem Beginn der Ausbildung zur Krankenschwester erfuhr ich, dass ich schwanger bin. Aus diesem Grund konnte ich die Ausbildung nicht beginnen. 

Warum haben Sie sich für eine Arbeit im Sozialbereich entschieden?

Anfangs war es ein Versuch für mich, da ich ein offener Mensch bin, nie genau wusste was ich eigentlich genau machen möchte und entsprechend immer an verschiedenen Arbeiten interessiert war. Per Zufall traf ich dann jemanden, der mich fragte ob ich bei der Diakonie arbeiten möchte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits meinen Abschluss im pflegerischen Bereich durch eine einjährige Ausbildung nachgeholt. Dadurch hatte ich die Möglichkeit in den sozialen Bereich einzusteigen. Praktische Erfahrungen hatte ich jedoch keine, aber den Versuch wollte ich trotzdem wagen.

Von meinen Freunden und Bekannten bekam ich immer zu hören, dass dies der richtige Beruf für mich sei, da ich eine gute Zuhörerin und ein harmonischer Mensch, von Natur aus, bin. Dies ermutigte mich den Versuch zu starten und ich wollte die Chance nicht verpassen mit Menschen zu arbeiten, welche meine Hilfe benötigen. Auch wenn die Arbeit manchmal anstrengend ist, erfüllt es mich voll und ganz.

Es macht Spaß und gibt mir das tolle Gefühl etwas Gutes zu tun.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit und Ihren Aufgaben?

Die Arbeit empfinde ich als sehr abwechslungsreich und es gibt jeden Tag neue Herausforderungen um die Klienten optimal zu fördern. Mit der neuen Zusammensetzung der Gruppe, mit 12 Bewohnern, sind auch neue Aufgaben entstanden.

Die Klienten sind, mehr oder weniger, sehr kommunikativ und einige haben zum Teil sehr schwere Verhaltensstörungen, aber genau diese Faktoren und neue Förderziele sowie bestehende auszubauen, machen die Arbeit für mich rundum spannend und fordern mich jeden Tag auf´s Neue.

Jeden einzelnen Klienten mit seiner ganz eigenen Persönlichkeiten zu erleben und damit umzugehen, macht meine tägliche Arbeit aus und das empfinde ich als das Besondere daran.

Was ist Ihnen in der täglichen Arbeit besonders wichtig?

Das wichtigste für mich ist, den Menschen zu helfen und sie glücklich zu machen. Da die meisten Klienten keine Familie haben, will ich sie soweit es geht unterstützen. Das ist das Wichtigste.

Der ständige Austausch zwischen den Kollegen und der Respekt sind mir natürlich auch sehr wichtig. Das ist das A und O bei der Arbeit, ohne das es eben nicht geht. Wir müssen uns nämlich einig sein, im Umgang mit den Klienten.  Des Weiteren müssen wir uns an die festgelegten Regeln halten und gemeinsam dafür sorgen, dass die Förderziele genauso umgesetzt werden damit die Klienten davon profitieren. 

Dieses geht meiner Meinung nach aber nur, wenn ein reger Austausch stattfindet und die Handlungen immer wieder neu betrachtet und hinterfragt werden, da es sein kann, dass Dinge die heute noch richtig sind, morgen vielleicht schon überholungsbedürftig sind. Jedoch fehlt leider oft die Zeit dafür. Trotzdem versuchen wir in den Übergaben und Teamsitzungen alles an Zeit zu nutzen, um das Optimale für die Klienten herauszuholen.

Weitere wichtige Punkte für mich sind, dass sich die Mitarbeiter nicht nur für ihre Aufgaben verantwortlich fühlen sondern auch für ihre Kollegen und sich auch austauschen  und keine Alleingänge machen. Auch der Austausch mit der Psychologin, Frau Kahnt, ist in meinen Augen ein wichtiger Punkt, weil ich als ungelernte Kraft dadurch die Möglichkeit habe Verhaltensabläufe der Klienten zu hinterfragen oder auch psychische Krankheitsbilder erläutern zu lassen, denn man lernt nie aus.

Wie ist die Zusammenarbeit zwischen Fachkräften und MA ohne Fachausbildung im Team?

Inzwischen sehe ich keinen großen Unterschiede mehr zwischen den Fachkräften und einem langjährigen Mitarbeiter ohne Ausbildung. Am Anfang war es so, dass ich sehr viel dazulernen musste. Ich habe immer über die Schulter der Fachkräfte geschaut, um zu sehen, wie gewisse Dinge gemacht werden. Auch wollte ich mich nicht in die Arbeit der Fachkräfte einmischen, weil ich nicht wusste, was nun richtig oder was falsch ist.

Mit den Jahren habe ich jedoch meinen eigenen Weg gefunden, da ich der Meinung bin, dass jede Fachkraft Ihren eigenen Stil hat und es ist sinnvoll sich von allem das Beste herauszufiltern und entsprechend seinen persönlichen Stil bzw. Weg zu finden. Die Fachkräfte haben mir auf diesem Weg natürlich sehr geholfen indem sie mich darauf hingewiesen haben, dass gewisse Dinge von mir nicht richtig gemacht wurden und am Anfang hörte ich natürlich auch darauf, aber mit einer gewissen Zeit und Berufserfahrung weiß man dann doch selbst wie es funktioniert.

Aber auch als Quereinsteiger kann man seine Ideen mit einbringen, weil manche auch mal aus dem Alltag hervorstechen und auch Fachkräfte bei einigen Änderungen umdenken mussten. Selbst heute neige ich selbst dazu gewisse Dinge nach Gefühl zu erledigen.

Fühlen Sie sich im Team anerkannt?

Auf jeden Fall fühle ich mich im Team anerkannt. Anfangs wusste ich nicht wie man die Akten bearbeitet und das führte dazu, dass ich ab und zu mal an mir selbst zweifelte bis ich gemerkt habe, dass auch die Fachkräfte die neu gekommen sind dieses nicht auf Anhieb beherrschten.

Unser Bereich ist nun mal recht speziell und Erfahrung bringt dabei einen großen Vorteil. Nach nun insgesamt 8 jähriger Betriebszugehörigkeit und um viele Erfahrungen reicher, ist es sogar so, dass ich den neuen Mitarbeitern, egal ob Fachkraft oder nicht, etwas erkläre und sie bei der Einarbeitung unterstütze.

Die Kollegen geben mir nie das Gefühl, dass sie mich nicht ernstnehmen weil ich keine Fachkraft bin. Meine Lebenserfahrung und Berufserfahrung helfen mir dabei sehr.

Was gefällt Ihnen an den Wohneinrichtungen von RC?

Ich finde es schade, dass in andere Einrichtungen mehr Investiert wird, aber ich weiß auch, dass es nicht anders  geht, weil das BTH eben ein Mietobjekt ist. Jedoch finde ich es sehr schön, dass im BTH alles so persönlich gestaltet ist, z. B. die Zimmer der Klienten, die Flure etc.

Jedoch bin ich ab und zu schon ein wenig neidisch auf andere Einrichtungen, wo die Badezimmer so schön gestaltet sind und in denen es, für die Menschen die beeinträchtigt sind, spezielle Badewannen gibt.

Aber ich vertsehe es auch, dass es im BTH aus Platzmangel nicht geht, da die Badezimmer sehr klein sind und das wir eben das nutzen müssen, was der Vermieter uns bietet.

Was schätzen Sie an RC als Arbeitgeber? (Nebenfrage: Was kann RC besser machen?)

Ich schätze die pünktliche Gehaltszahlung, die AG-finanzierte Altersvorsorge, das persönliche Dinge schnell und unkompliziert bearbeitet werden, wie z.B. bei privaten Problemen oder bei Kreditaufnahmen (durch einen niedrigen Zinssatz bei Krediten etc.), die Weiterbildungsmöglichkeiten, die regelmäßigen Untersuchungen beim Betriebsarzt finde ich auch sehr toll.

Mein persönlicher Wunsch wäre es, dass ich noch etwas mehr Zeit für unsere Klienten habe, was durch die Einarbeitung neuer Kollegen manchmal einfach nicht geht. Und das Wichtigste sind immer die Klienten, die einem durch ihre Freude und Dankbarkeit unwahrscheinlich viel von der investierten Energie und dem entstandenen Stress zurück geben.

Deshalb freue ich mich jeden Tag, wenn ich meinen Dienst antrete.